Tierisches

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Stolzer Hahn

 

Geblendet fuhr der Traktorist
gegen einen Haufen Mist!
Gar traurig für die Hühner ist,
der stolze Hahn, er wird vermisst.

Ihn zog es fort...
... weil er so an dem Traktor hing

 

Henrik Müller

 

 

 

 

 

 

 

Schöpfung der Tiere 
 
Der liebe Gott
mit saurem Blick,
der fand
Zitronenschalen schick.

Er faltete
und wurd Gestalter
vom fliegenden
Zitronenfalter.

Doch löcherig
war die Marotte:
die Falterei
der Kleidermotte.
 
Henrik Müller

Das Käfighuhn

 

Herr Maier, der besaß ein Huhn,
das tat, was Hühner selten tun:
Es legte goldne Einer,
wie freute sich Herr Maier!
Doch ist’s beim Eierlegen Brauch,
in diesem Falle galt das auch:
Ein Huhn legt täglich höchstens eins,
am Sonntag auch mal keins.

Herr Maier aber dachte: ei,
was wäre eigentlich dabei,
wenn ich das Huhn, das Eier legt,
jedoch nur eins zu legen pflegt,
in einen kleinen Käfig sperr’,
dann legt’s vielleicht, statt einem Ei,
pro Tag mir deren zwei.

In diesem Punkte irrte er,
denn was das Huhn im Käfignest,
seit diesem Tage fallen lässt,
das ist der Länge nach und Form
ein Ei nach X X – Euro - Norm,
gestempelt und somit korrekt,
das billig ist und auch so schmeckt.
Vielleicht legt es pro Tag nun zwei,
doch Goldene sind nicht dabei!

 

Bernhard Mößner

 

 

 

 

 

Katzenjammer

 

Die Frühjahrsonne scheint
und unser Schneemann weint,
er sagt: „Ade“
und seine Tränen rinnen
nach außen und nach innen.
Auch unser schwarzer Kater,
mit weißem Latz und Tatzen,
hält es nicht länger bei uns aus:
Vier Wochen geht er auf Tournee.
Auf Gassen, Dächern, Zinnen,
hört man ihn schrecklich singen,
ein Liebeslied für Katzen,
er singt vor lauter Liebesglück
als wäre er von Sinnen:
„Miau, o weh, o weh!“

Doch nun kommt er zurück
in unsre enge Welt;
sein Schicksal holt ihn ein,
wie grausam kann es sein!
Die Katze aus dem Nachbarhaus
bekam sechs schwarze Kätzchen,
mit weißem Latz und Tätzchen.
Sie sucht darum nach keiner Maus,
sie sucht nach unsrem Kater,
wobei sie böse schaut
und fürchterlich miaut.
Sie kratzt ihm fast die Augen aus
und faucht ihn an, so laut sie kann:
„Du hundsgemeiner Kater,
du bist ein Rabenvater!“

 

Bernhard Mößner


 

Würmchens Ende

 

Würmchen lebt im besten Holz
und als echter Hagestolz
wohnt er dort für sich allein
und nagt alles kurz und klein!
Wird die Wohnung ihm zu enge,
nagt er ein paar neue Gänge.
Vorne sitzt sein Zahn zum Nagen,
danach kommt sofort sein Magen,
hinten ist, wo das Gekaute
und vom Magen klein Verdaute,
letztlich trocken und gepresst
den Verdauungstrakt verlässt.
Nur das Trinken und das Kneipen
lässt er in der Wohnung bleiben.

Aber trotz der Wurmnatur
zieht es Würmchen zur Kultur,
und er liebt Klaviermusik
über alles! Brahms und Krieg
findet er besonders schön,
doch er hasst es, auszugeh’n,
er verachtet Kleiderzwänge
und die momentane Enge,
weshalb Würmchen sich verpuppt,
lange schläft und dann entschuppt,
und entfleucht als eine flotte
unscheinbare kleine Motte,
nämlich in die nächste Stadt,
welche ein Konzerthaus hat. ..>

 

 

 

 

 

 

 

 

Dorten wohnt er, und nicht übel,
in dem Bösendorfer Flügel,
dessen Holz von erster Güte,
völlig kostenfrei zur Miete.
Nicht nur mietfrei, nein, man gibt
dort Konzerte, die er liebt,
so Präludien, wie Kantaten,
Sinfonien und Sonaten,
zwischendurch auch immer wieder
leichte Kost, wie Schubertlieder...>

 

Viele Pianisten kamen:
Namenlose und mit Namen,
so wär’s immer fort gegangen,
Töne tönten und verklangen:
Doch dann kam ein Pianist
mit’ner Rhapsodie von Liszt,
eine ungeheuer lange
und mit ungewohntem Klange.
Pianistenfinger hasten
auf den weiß und schwarzen Tasten,
furchtbar dröhnt der Klimperkasten,
und die Liszt’en Töne bohren
sich zutiefst in Würmchens Ohren.

Welch Gedröhn und welch Tortur
selbst für eine Wurmnatur!
Ganz zum Schluss kam das Finale,
jedoch dann mit einemale
purzelte per Purzelbaum
Würmchen in den Bühnenraum,
wo mit einem leisen „bang“
Würmchens Kopf in Stücke sprang.

 

Bernhard Mößner

 


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